Von Kriegsführung und Kreativität

Plakat-150dpiGuerilla Marketing. Bis zum heutigen Tage habe ich davon noch nichts gehört. Sicher. Die Begriffe „Marketing“ und „Guerilla“ sind durchaus bekannt. Als Guerilla wird dabei im Allgemeinen ein Kampfstil bezeichnet, bei dem es darauf ankommt, seinen Gegner durch ungewöhnliche Taktiken zu schwächen und so schließlich den Kampf für sich zu gewinnen. Und was soll das jetzt mit Marketing zu tun haben? Gibt es hier etwa auch Gegner, die es zu bezwingen gilt? Führen die Marketing-Agenturen einen geheimen Krieg mit hohen Verlusten? Nein. Ganz so verschwörerisch wie es klingen mag, ist es nicht. Der „Krieg“, um den es hier geht, wird unter den Wettbewerbsteilnehmern des freien Marktes ausgetragen. Blut fließt dabei nicht.

Wenn aber kleine Firmen oder Vereine mit wenig Kapital und noch weniger Erfahrung auch ein Stück vom leckeren Marktwirtschaftskuchen abhaben wollen, ist es oftmals schwer, sich mit konventionellen Mitteln gegen die Masse der Etablierten abzusetzen. Dann kommt das Guerilla Marketing ins Spiel. Es schockiert oder bringt zum Lachen. Mit niedrigen Kosten zaubern die Marketingagenturen kreative Kampagnen, die eine Vielzahl von Leuten auf emotionaler Ebene erreichen. Die Ausgestaltung kann dabei verschieden sein. Von bedruckten Bierdeckeln, über Werbungen auf einem Kassenbon, bis hin zu Plakaten für einen Männergesangverein. (Lara Wichterich)

Konzerte sind gesünder als Yoga

„Studie behauptet: Besser als Yoga. Wer alle 14 Tage ein Konzert besucht, lebt zehn Jahre länger“. Als leidenschaftliche Konzertbesucherin konnte ich nicht umher, als schnell auf meinem Twitter zurück zu scrollen, als ich diesen Tweet von Stern Neon sah.

Der Stern stützt seine Aussage auf eine Studie von Verhaltensforschern der Goldsmith-Universität in London in Zusammenarbeit mit O2. Im Rahmen des Experimentes wurden Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: Konzertbesucher, Yogasession-Besucher und Personen, die mit ihrem Hund spazieren gehen. Alle drei Aktivitäten sollen Stress abbauen. Das Ergebnis war die Steigerung des Wohlbefindens der Konzertbesucher von 21%. meditation-3338691_1280Beim Yoga wurde das Wohlbefinden nur um 10% und beim Ausführen des Hundes nur um 7% gesteigert. Somit sind Konzertbesucher die glücklicheren Menschen. Für einen langfristigen Effekt sollte man jedoch alle zwei Wochen ein Konzert besuchen. Damit könnte sogar das Leben um bis zu 10 Jahre verlängert werden. Hört sich doch gut an, oder etwa nicht?

Ich persönlich kann bestätigen, dass mich ein Konzert in der Tat glücklicher macht. Es bleibt jedoch fraglich, ob es überhaupt möglich ist, wirklich zwei Mal im Monat ein Konzert zu besuchen. Bei einer gewissen Anzahl von Bands, welche auch in der lokalen Umgebung auftreten, ist das Angebot vielleicht gedeckt. Darüber hinaus ist es natürlich auch fraglich, ob sich dies finanziell umsetzen lässt. Denn Konzerte sind im Regelfall ein kostspieliges Vergnügen. Dazu gehören nicht nur die teils horrenden Ticketpreise, sondern auch Anfahrtskosten, eventuelle Übernachtungskosten und natürlich Merchandising. Hinzu kommt der Stress, überhaupt an ein Ticket zu kommen, denn nicht selten sind diese innerhalb weniger Minuten ausverkauft oder nur noch Plätze ganz hinten vorhanden. Und ob sich dort das Wohlbefinden ebenfalls um 21% steigern lässt, wage ich zu bezweifeln.

Vielleicht ist eine gesunde Kombination aus Konzerten und Yoga und/oder dem Spaziergang mit dem geliebten Vierbeiner eine gute Alternative.

Social Media ist nicht nur für große Unternehmen

Social Media ist nicht nur für große Unternehmen

Social Media Kanäle sind aus dem Marketing nicht mehr weg zu denken. Immer mehr Unternehmen setzen auf Facebook, Instagram und Co., wenn es um die Vermarktung ihrer Produkte geht. Ein Großteil von Unternehmen besitzt ein Profil auf Facebook. Doch welche Chancen bieten Social Media Plattformen für mittelständische Unternehmen?

Große Marken, wie About You oder Maybelline, setzen seit Jahren auf Werbung über Instagram und Co. Kampagnen mit # werden gestartet, Influencer als Markenbotschafter eingesetzt und die Marke im großen Stil auf den Plattformen präsentiert. Die Markenbildung geschieht heutzutage nicht mehr im klassischen Stil, sondern auch über Social Media. Facebook und Co. wirken identitätsstiftend. Bei großen Unternehmen stecken ganze Marketingabteilungen, die sich ausschließlich mit dem Thema Social Media beschäftigen und die nötigen finanziellen Mittel ausweisen, hinter den Kanälen. Für den Mittelstand eine eher utopische Vorstellung.

Die Zielgruppe ist das A und O

Nichtsdestotrotz sollten mittelständische Unternehmen nicht auf Social Media Kanäle verzichten. Sowohl im B2C-Bereich, als auch wenn es um B2B geht. Das Wichtigste ist dabei die genaue Zielgruppenansprache über die entsprechende Plattform. Wie wird meine Zielgruppe am besten erreicht? Facebook, Instagram oder doch lieber Xing? Die Wahl der Kanäle sollte sorgfältig und auf die Zielgruppe abgestimmt werden. Zu viele Köche verderben den Brei – zu viele Social Media Kanäle auch.

twitter-292994_1280Das Gleiche gilt für die Anzahl von Posts. Die Follower sollten nicht planlos mit Beiträge überschüttet werden. Lieber 2-3 qualitativ hochwertige und geplante Beiträge pro Woche, als jeden Tag in der Mittagspause schnell einen Post bei Facebook hinzuklatschen. Die Beiträge sollten einheitliche sein und mit dem übereinstimmen, was das Unternehmen vermitteln möchte und wofür es steht. Storytelling ist hier das Stichwort. Dabei kann man auch spielerisch mit den Beitragsformen variieren. Heute mal ein Video über den Büroalltag drehen oder einen Live Chat starten? Oder wie wäre es, den Newsletter das nächste Mal über WhatsApp zu verbreiten?

Vom Trend anstecken lassen?

Die Online Kommunikation unterliegt einem ständigen Wandel. Weiterentwicklungen, Neuerscheinungen und neue Social Media Trends gibt es beinahe wöchentlich. Doch sollte man bei jedem Trend mitmachen? Wer mit auf den Zug aufspringen möchte sollte schnell sein. Der Beitrag zum #icebucketchallenge ist ein halbes Jahr später nicht mehr so interessant, wie als er gerade aufkam und „getrendet“ hat. Aber nicht bei jedem Trend muss mitgemacht werden. Die Zielgruppe muss immer im Blick behalten werden. Was ist für meine Follower relevant und interessant?

Und das ist auch der Leitsatz, der bei jedem Social Media Beitrag berücksichtigt werden sollte. Ist das Video oder der Artikel interessant für meine Kunden? Genauso, ob es sich mit meinem Unternehmen deckt. Schließlich will man, dass die Unternehmensidentität und die vermittelten Werte auf allen Kanälen übereinstimmen und für den Kunden deutlich werden. Mit qualitativen und geplanten Beiträgen auf den passenden Plattformen kann man nichts falsch machen und schon mit wenig Aufwand sein Unternehmen online präsentieren.

 

Hiking, Urban Gardening und Forest Bathing – alter Wein, neue Flasche oder schlichtweg hipp??

Auf den ersten Blick drei Begriffe, die auf jeden Fall einen gemeinsamen Nenner haben – Natur. Auch wenn man sich sicherlich fragt, was man sich genau „Waldbaden“ vorstellen soll. Und genau dort sieht man auch schon den zweiten gemeinsamen Nenner und für Vielermann das Problem – englische Begriffe. Warum ist Hiking das neue Wandern, Urban Gardening der neue Schrebergarten und der aktuelle Trend Forest bathing der upgegradete Waldspaziergang? Zurück zu alten Werten und vor allem der hautnahe Kontakt mit der Natur ist doch eine super Sache, also warum neuen und auch irgendwo fragwürdige Namen für etwas, was Generationen vor uns schon vorhanden war? Muss heute alles hipp und trendy sein, damit es sich erst gut verkauft? Und vielmehr, wo wird das enden?

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Ein einfacher Bummel durch die City verdeutlicht das Ganze. Es ist quasi unmöglich, die zahlreichen Sale Angebote der Modeboutiquen zu übersehen. Als Online-Mitglied kann man sich mit seinem Smartphone noch den neusten Rabatt-Code schnell downloaden, oder gleich alles bequem von zu Hause per Express-Versand bestellen.

Liegt es an der Internationalisierung oder ist die eigene Sprache einfach zu langweilig geworden? Gehen uns schlichtweg die Ideen für neue Dinge aus, weswegen wir Altes einfach neu verpacken und mit einem coolen Namen schmücken müssen?

Eins ist klar, spätestens wenn wir von den Eltern oder Großeltern gefragt werden, was mit „Sale“ gemeint sei, kann es schnell zu Wortfindungsstörungen kommen. Als Japanologiestudentin mit zwei Fremdsprachen während der Hochschulausbildung etwas, was mir recht häufiger passierte. Wörter, die es in der eigenen Sprache so nicht gibt oder in der Fremdsprache einfach eine andere Nuance haben. Da frage ich mich ganz bewusst, müssen wir es uns denn noch komplizierter machen als es sowieso schon ist?

Das Gegenbeispiel dazu dann während einer einfachen Bahnfahrt von Bonn nach Köln. Signalstörung, Verspätung und der daraus resultierende Gleiswechsel. Dank der Technik von heute wird schnell alles per Lautsprecherdurchsagen dem Kunden mitgeteilt, sodass man sich noch gemütlich auf das passende Gleis begeben kann. Zumindest die Personen, die der deutschen Sprache mächtig sind. Alle andere bleiben etwas verwirrt am ursprünglichen Gleis stehen. Wieso werden mir mit englischen Begriffen in der Innenstadt beworfen und dort wo es weitaus sinnvoller wäre, verzichten wir darauf? Gehen wir den zusätzlichen Schritt nur, wenn sich ein Produkt dadurch besser verkaufen lässt?

Kopfkino oder ein Herz für Männer

„Warum unterstützt Ihr einen Männergesangverein?“, sind wir schon mehrfach gefragt worden. Wir, das sind Catherine Eschweiler und ich. Und unser Männergesangverein ist der MGV 1837 e.V. aus Neunkirchen-Seelscheid.

Ja, warum?

Den Anstoß gab, wie so oft im Leben der Zufall. Ein Vorstandsmitglied sprach mich nach einem gemeinsamen beruflichen Termin an. Ob ich es mir auch vorstellen könnte, ein Plakat für seinen Verein, den MGV 1837 e.V. zu gestalten, wagte er einen vorsichtigen Vorstoß. Gut, vorstellen kann ich mir viel, also war die Antwort ein klares „Ja!“

Und so fing es an, mit „meinem Engagement“ für singende Männer. Doch natürlich bliebt es nicht bei dem Plakat, es wurde eine Guerilla Kampagne daraus. Denn schließlich bin ich Kommunikationsstrategin. Und da ist es selbstverständlich, dass ich gleich überlege, wie man das Plakat zu einem Teil einer Kampagne machen kann, die eine größere Wirkung hat, eine Guerilla Aktion eben.

Beim Kaffee kam die Idee.

Zusammen mit Catherine, die uns in Sachen Design begleitet, haben wir – SC Lötters – uns mit einem Kaffee ins Büro gesetzt und überlegt, womit wir Männer und Frauen MGVzugleich erreichen können. Denn eins war klar! Wir wollten auffallen. Und so stand schnell fest, dass es kein Motiv mit singenden Männern sein wird. Auch Männer im Baumarkt waren raus, denn das sind erwartete Motive. Es musste ein nicht erwartetes Motiv sein und eines, das beide Geschlechter zugleich anspricht. Außerdem muss das Motiv Raum für die Fantasie des Betrachters / der Betrachterin lassen. Jeder von uns hat seine eigenen Bilder im Kopf und verbindet mit Motiven andere Inhalte, andere Geschichten. Ein individuelles Kopfkino halt!

Wieso singen Männer eigentlich?

Und so auch bei unserem MGV 1837 e.V.! Wir – Catherine und ich – dachten natürlich zuerst an einen Haufen „älterer“ Männer, die sich aus Langweile singen und versuchen, Töne zu treffen, statt den Abend zu Hause bei der Familie zu verbringen. Gelingt das mal nicht, tröstet das Bier die geschundene Männerstimme im Anschluss. So unser erster Gedanke, den wir dann aber schnell wieder verwarfen. Hätten wir uns von diesem Bild leiten lassen, wäre das Plakatmotiv sicherlich entsprechend gewesen.

Haben wir aber nicht! Und so sind wir sicher, dass unser Motiv ein wahres Feuerwerk im Kopf entfachen wird, wenn es endlich Ende Mai in Siegburg hängen wird.

Halt, stopp! Es wird natürlich nicht nur in Siegburg an der Zeithstraße auf einer Plakatwand erstrahlen, sondern auch über die sozialen Medien des Vereins verbreitet und als Postkarte verteilt. Und sehr wahrscheinlich schafft es die Kampagne auch in die Printmedien der Region. Wieso wir da so sicher sind?

Die Antwort ist ganz einfach – das Motiv erzeugt ein wahres Feuerwerk im Kopf und ist schlichtweg völlig anders, als das Erwartete! Wir sind ganz sicher, dass der MGV 1837 e.V. sein Ziel – der Verein sucht Männer zum Mitsingen – erreichen wird!