Urban Gardening – Schrebergarten 4.0

Was für eine tolle Idee, in zugebauten Innenstädte Nachbarschaftsgärten anzulegen, die jeder nutzen kann. Hochbeete für kleines Geld pachten, Obst und Gemüse anpflanzen, zusammensitzen, Mitbewohner treffen und neue kennenlernen.

Etwas, was man aus den europäischen Metropolen wie z.B. London kennt. Hier teilen sich manchmal ganze Straßenzüge kleine Grünflächen, weil Platz knapp und teuer ist. Deshalb vielleicht der Name „Urban Gardening“?

Schade nur, dass dreiviertel der Menschen, die in der Nähe solcher Gärten wohnen, gar nicht verstehen, was gemeint ist. Klingt der Begriff „Nachbarschaftsgärten“ zu spießig? Oder ist er vielleicht missverständlich?

Neu ist die Idee jedenfalls auch in Deutschland nicht. So hat schon Margarete Krupp vor mehr als 100 Jahren den Fremdarbeiter in den Bergwerken und Stahlschmieden des Ruhrpotts Wohnungen angeboten, zu denen kleine Gärten gehörten. Hier hielten sich die Arbeiterfamilien, Ziegen, Schafe und Kaninchen, zogen ihr eigenes Gemüse, ernteten Obst. Oder saßen einfach in den wenigen freien Stunden zusammen. Die Margareten Höhe in Essen legt heute davon noch Zeugnis ab.

Nach dem 2. Weltkrieg erlangten die Kleingärten in den aufzubauenden Städten wieder großes Interesse. In den Schrebergärten wurde auf eigener Scholle alles angebaut, was man zum Leben brauchte. Selbstversorgung war angesagt. Die Wartelisten der Laubenpieper-Kolonien waren lang. Irgendwann gerieten die Schrebergärten dann als spießig in Verruf, wurden mit Gartenzwerg-Tyrannei gleichgesetzt.

Und jetzt? Jetzt heißt dieselbe Idee „Urban Gardening“. Flächendeckend berichten Medien über diese wahnsinnig tolle Idee. Etwas ganz Neues!

Was habe ich da nicht mitbekommen? Vielleicht heißt es ja deshalb „Urban Gardening“, damit man nicht auf den ersten Blick erkennt, dass diese Idee nicht neu, sondern im besten Fall abgeschaut ist.

Dennoch – es bleibt eine tolle Idee, die für Belebung der zugebauten Innenstädte sorgt und Menschen miteinander ins Gespräch bringt und Kindern zeigt, woher das Gemüse in den Theken der Discounter stammt.

Der Digitalisierung sei Dank! Menschen bleiben eben doch Menschen, die mit allen Sinnen erleben wollen. Und so eben auch die Natur mit ihren Händen erspüren.

Es leben die Schrebergärten 4.0!

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