Mensch statt Maschine!

Die Digitalisierung treibt spannende Blüten. So schafft sie die Kommunikation von Mensch zu Mensch ab, hört man. Allein bei Twitter – dem bevorzugten Kommunikationskanal des aktuelle US-Präsidenten – sollen bis zu 15 % der Tweets von sog. „Social-Bots“ stammen, also automatisch geniert und verschickt werden, ohne das ein Mensch seine Finger im Spiel hat.

Warum? Digitalisierung wird hier eingesetzt, um Menschen und Meinungen zu beeinflussen. Fake-News bestimmen zunehmend unser Leben und haben Einfluss auf den US-Wahlkampf gehabt. Die Propaganda-Maschine läuft für jeden und jedes!

Kann man sich davor schützen? Kaum, sind sich die Experten sicher. Sie gaben Tipps, voran man vermeintlich Nachrichten von Bots erkennen kann.

Einer lautet: verdächtig sind auch ein ungewöhnlicher Satzbau oder immer wiederkehrende Grammatikfehler.  – Oh je, dann stammen die Mails von Absendern aus der Generation meiner Tochter und einiger meiner Studenten also nicht von ihnen selber, sondern wurden von Robotern geschrieben??? Ob ich darüber froh sein soll, kann ich momentan gar nicht sagen.

Ich persönliche glaube, dass man sich vor Fake-News nur schützen kann, wenn wir diese in persönlichen Gesprächen überprüfen. Im persönlichen Kontakt können wir unser Gegenüber und seine Aussagen erspüren.

Wir treffen uns!

Und wirft man einen Blick auf die Intensivnutzer der sozialen Medien, stellt man fest, dass es diesen genauso geht. Sie kombinieren die Kommunikation über die sozialen Netzwerke mit persönlichen Treffen. Sie schätzen es, sich mit Freunden zu treffen, sich in die Augen zu schauen und gemeinsam Dinge zu erleben. Natürlich nicht, ohne über diese Erlebnisse in den sozialen Netzwerken zu berichten. Snapshat & Co sei Dank!

Moderne Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung bedeutet, wir nutzen die sozialen Medien, um intensiver mit anderen im Dialog zu bleiben, um umfassender und schneller informiert zu sein. Parallel dazu pflegen wir persönliche Kontakte zu Freunden, erleben und erspüren diese mit allen Sinnen.

Und genau das haben aktuell die Wahlkampfhelfer entdeckt, die flächendeckend von Haustür zu Haustür marschieren, wieder einmal ihre Infopoints in den Fußgängerzonen der Innenstädte aufgebaut haben. Sie stellen auf allen Wegen Kontakt zu den Wählern her. Ob man Ihnen glauben kann, muss jeder für sich entscheiden.

Und genau das bedeutet Digitalisierung – alle Wege nutzen! Und nicht Maschine statt Mensch!

Urban Gardening – Schrebergarten 4.0

Was für eine tolle Idee, in zugebauten Innenstädte Nachbarschaftsgärten anzulegen, die jeder nutzen kann. Hochbeete für kleines Geld pachten, Obst und Gemüse anpflanzen, zusammensitzen, Mitbewohner treffen und neue kennenlernen.

Etwas, was man aus den europäischen Metropolen wie z.B. London kennt. Hier teilen sich manchmal ganze Straßenzüge kleine Grünflächen, weil Platz knapp und teuer ist. Deshalb vielleicht der Name „Urban Gardening“?

Schade nur, dass dreiviertel der Menschen, die in der Nähe solcher Gärten wohnen, gar nicht verstehen, was gemeint ist. Klingt der Begriff „Nachbarschaftsgärten“ zu spießig? Oder ist er vielleicht missverständlich?

Neu ist die Idee jedenfalls auch in Deutschland nicht. So hat schon Margarete Krupp vor mehr als 100 Jahren den Fremdarbeiter in den Bergwerken und Stahlschmieden des Ruhrpotts Wohnungen angeboten, zu denen kleine Gärten gehörten. Hier hielten sich die Arbeiterfamilien, Ziegen, Schafe und Kaninchen, zogen ihr eigenes Gemüse, ernteten Obst. Oder saßen einfach in den wenigen freien Stunden zusammen. Die Margareten Höhe in Essen legt heute davon noch Zeugnis ab.

Nach dem 2. Weltkrieg erlangten die Kleingärten in den aufzubauenden Städten wieder großes Interesse. In den Schrebergärten wurde auf eigener Scholle alles angebaut, was man zum Leben brauchte. Selbstversorgung war angesagt. Die Wartelisten der Laubenpieper-Kolonien waren lang. Irgendwann gerieten die Schrebergärten dann als spießig in Verruf, wurden mit Gartenzwerg-Tyrannei gleichgesetzt.

Und jetzt? Jetzt heißt dieselbe Idee „Urban Gardening“. Flächendeckend berichten Medien über diese wahnsinnig tolle Idee. Etwas ganz Neues!

Was habe ich da nicht mitbekommen? Vielleicht heißt es ja deshalb „Urban Gardening“, damit man nicht auf den ersten Blick erkennt, dass diese Idee nicht neu, sondern im besten Fall abgeschaut ist.

Dennoch – es bleibt eine tolle Idee, die für Belebung der zugebauten Innenstädte sorgt und Menschen miteinander ins Gespräch bringt und Kindern zeigt, woher das Gemüse in den Theken der Discounter stammt.

Der Digitalisierung sei Dank! Menschen bleiben eben doch Menschen, die mit allen Sinnen erleben wollen. Und so eben auch die Natur mit ihren Händen erspüren.

Es leben die Schrebergärten 4.0!