Raus aus der Digitalität, rein in die Natur

Der Besitz von Schrebergärten, analogen Kameras und Schallplatten ist wieder im Trend. Wieso im Moment eine Rückbesinnung auf alte Traditionen stattfindet:

Keine Frage, die Digitalisierung biete viele neue Möglichkeiten und Vorteile. Doch in der Flut aus Informationen, die einem im World Wide Web zur Verfügung stehen und der Schnelllebigkeit des Internets, kristallisiert sich der Trend heraus, zu alten Werten, Traditionen und Gegenständen. Menschen möchten wieder etwas in der Hand haben, auf Bewährtes zurück zu greifen. Eine Form von Nostalgie?

Vor allem bei jüngere Menschen, die mit Computern und den Anfängen des Internets aufgewachsen sind, ist zu beobachten, dass Gesellschaft und Natur wieder ein wichtiger Teil des Lebens werden. Bei einem gemeinsamen Pubquiz-Abend wird lieber miteinander gesprochen, als Online über Social Media Kanäle.wheelbarrows-2157324_1280 Auch in die Natur verschlägt es viele Menschen wieder. Früher galten Schrebergärten als spießig und uncool. Heute sind sie vor allem in Großstädten wieder bei jungen Familien beliebt, um dem Großstadtdschungel für ein paar Stunden entfliehen zu können. Der Trend zum „Urban Gardening“ mit dem Anbau von eigenem Obst und Gemüse ist in vielen Großstädten zu spüren – in Berlin sind mehr als 10 000 Menschen auf der Suche nach einem grünen privaten Fleckchen. Im Trend sind zurzeit aber auch Gegenstände aus vergangenen Tagen: die analoge Fotografie und Polaroidkameras erleben ihr Comeback, genauso wie Schallplatten.

Doch was ist der Grund für die Rückbesinnung zur alten Zeit?old-1130731_1280 In einer Welt, in der ausschließlich Online kommuniziert, eingekauft, beraten und gebucht werden kann, fehlen vor allem zwei Dinge: die Persönlichkeit und das Haptische. Irgendwann hat man genug von all den digitalen und virtuellen Dingen. Man möchte wieder Gegenstände berühren und erspüren können und ein Gespräch führen, ohne Angst, dass alle geschriebenen Nachrichten gesammelt, gespeichert und an Dritte weitergegeben werden.

Für einen Augenblick gilt es dann, dem digitalen Wahnsinn zu entfliehen – raus aus der Digitalität, rein in die Natur. Was für ältere Generationen völlig normal war, wird gerade von der jüngeren wiederentdeckt und geschätzt. Digitalität ist eben nicht alles.

Konzerte sind gesünder als Yoga

„Studie behauptet: Besser als Yoga. Wer alle 14 Tage ein Konzert besucht, lebt zehn Jahre länger“. Als leidenschaftliche Konzertbesucherin konnte ich nicht umher, als schnell auf meinem Twitter zurück zu scrollen, als ich diesen Tweet von Stern Neon sah.

Der Stern stützt seine Aussage auf eine Studie von Verhaltensforschern der Goldsmith-Universität in London in Zusammenarbeit mit O2. Im Rahmen des Experimentes wurden Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: Konzertbesucher, Yogasession-Besucher und Personen, die mit ihrem Hund spazieren gehen. Alle drei Aktivitäten sollen Stress abbauen. Das Ergebnis war die Steigerung des Wohlbefindens der Konzertbesucher von 21%. meditation-3338691_1280Beim Yoga wurde das Wohlbefinden nur um 10% und beim Ausführen des Hundes nur um 7% gesteigert. Somit sind Konzertbesucher die glücklicheren Menschen. Für einen langfristigen Effekt sollte man jedoch alle zwei Wochen ein Konzert besuchen. Damit könnte sogar das Leben um bis zu 10 Jahre verlängert werden. Hört sich doch gut an, oder etwa nicht?

Ich persönlich kann bestätigen, dass mich ein Konzert in der Tat glücklicher macht. Es bleibt jedoch fraglich, ob es überhaupt möglich ist, wirklich zwei Mal im Monat ein Konzert zu besuchen. Bei einer gewissen Anzahl von Bands, welche auch in der lokalen Umgebung auftreten, ist das Angebot vielleicht gedeckt. Darüber hinaus ist es natürlich auch fraglich, ob sich dies finanziell umsetzen lässt. Denn Konzerte sind im Regelfall ein kostspieliges Vergnügen. Dazu gehören nicht nur die teils horrenden Ticketpreise, sondern auch Anfahrtskosten, eventuelle Übernachtungskosten und natürlich Merchandising. Hinzu kommt der Stress, überhaupt an ein Ticket zu kommen, denn nicht selten sind diese innerhalb weniger Minuten ausverkauft oder nur noch Plätze ganz hinten vorhanden. Und ob sich dort das Wohlbefinden ebenfalls um 21% steigern lässt, wage ich zu bezweifeln.

Vielleicht ist eine gesunde Kombination aus Konzerten und Yoga und/oder dem Spaziergang mit dem geliebten Vierbeiner eine gute Alternative.

„Influencer“ sind die neuen großen Schwestern

Jeder im Marketingbereich spricht über sie: die sogenannten Influencer. In den letzten Jahren wurde dank Instagram, Youtube und Co. eine regelrechte Welle von „Beeinflussern“ zum Vorschein gebracht, die heute als Allzweckwaffe zur Vermarktung einer Marke promotet werden. Doch dabei ist das Prinzip hinter den Influencern alles andere als neu.

Jeder hatte als Kind in seinem Umfeld Menschen, die einen Einfluss auf einen geübt haben: die Eltern, Lehrer, das beliebteste Mädchen der Schule oder auch wie bei mir die große Schwester. Egal, welche Schuhe sie neu hatte, welche Musik sie hörte oder welche Schminke sie benutzte – als kleine Schwester war die große Schwester ein Vorbild. Alles was sie hatte, wollte ich auch haben. Und auch als Erwachsener ist das nicht anders: Die Kollegen, Nachbarn, Freunde: Alle haben einen Einfluss auf mein Leben und auch auf mein Kaufverhalten. Die Schuhe, die die Kollegin letzte Woche anhatte, brauche ich auch unbedingt, die neuen Gartenstühle des Nachbarn würden auch wunderbar auf meinen Balkon passen oder der Wein beim letzten Mädelsabend hat mir so gut geschmeckt, dass er direkt auf meiner Einkaufsliste landet.

smartphone-2652179_1280Dieses Prinzip steckt auch hinter dem sogenannten Influencer-Marketing. Nur das hier der Einfluss von jemanden kommt, den man nicht persönlich kennt, sondern nur über seine Darstellung auf Social-Media-Kanälen. Durch die Inszenierung des eigenen Lebens wird einem als Follower suggeriert, an dem Leben des Influencers teilzunehmen. Man entwickelt eine persönliche Beziehung. Wenn dieser Influencer nun bestimmte Produkte verwendet, und bewirbt, wird dem Follower zu verstehen gegeben: „Wenn dieser Person das Produkt gefällt, wirst du es auch mögen“. Beim nächsten Einkauf wird dann vielleicht die Zahnpasta für weißere Zähne gekauft, die auf einem Instagramaccount präsentiert wurde, als die sonst verwendete Marke.

Influencer sind also kein neues Phänomen, durch Soziale Netzwerke hat sich nur ein neuer Markt dafür entwickelt. Für Unternehmen kann die richtige und langfristige Kooperation – oftmals in Form von Produkten – mit Influencern Erfolge bringen. Glaubwürdigkeit und Authentizität sind hier wichtige Stichpunkte. Bei der Masse an Influencern ist jedoch die Intention zu hinterfragen, sind Gagen für Instagramkampagnen ab einer bestimmten Reichweite mittlerweile schwindelerregend hoch. Manchmal ist es dann doch besser, sich an den bekannten Influencern, Kollegin, Nachbar und große Schwester, zu orientieren. Hier weiß man, dass diese in der Regel nicht von den Konzernen, deren Produkte und Leistungen sie empfehlen, bezahlt werden.

Social Media ist nicht nur für große Unternehmen

Social Media ist nicht nur für große Unternehmen

Social Media Kanäle sind aus dem Marketing nicht mehr weg zu denken. Immer mehr Unternehmen setzen auf Facebook, Instagram und Co., wenn es um die Vermarktung ihrer Produkte geht. Ein Großteil von Unternehmen besitzt ein Profil auf Facebook. Doch welche Chancen bieten Social Media Plattformen für mittelständische Unternehmen?

Große Marken, wie About You oder Maybelline, setzen seit Jahren auf Werbung über Instagram und Co. Kampagnen mit # werden gestartet, Influencer als Markenbotschafter eingesetzt und die Marke im großen Stil auf den Plattformen präsentiert. Die Markenbildung geschieht heutzutage nicht mehr im klassischen Stil, sondern auch über Social Media. Facebook und Co. wirken identitätsstiftend. Bei großen Unternehmen stecken ganze Marketingabteilungen, die sich ausschließlich mit dem Thema Social Media beschäftigen und die nötigen finanziellen Mittel ausweisen, hinter den Kanälen. Für den Mittelstand eine eher utopische Vorstellung.

Die Zielgruppe ist das A und O

Nichtsdestotrotz sollten mittelständische Unternehmen nicht auf Social Media Kanäle verzichten. Sowohl im B2C-Bereich, als auch wenn es um B2B geht. Das Wichtigste ist dabei die genaue Zielgruppenansprache über die entsprechende Plattform. Wie wird meine Zielgruppe am besten erreicht? Facebook, Instagram oder doch lieber Xing? Die Wahl der Kanäle sollte sorgfältig und auf die Zielgruppe abgestimmt werden. Zu viele Köche verderben den Brei – zu viele Social Media Kanäle auch.

twitter-292994_1280Das Gleiche gilt für die Anzahl von Posts. Die Follower sollten nicht planlos mit Beiträge überschüttet werden. Lieber 2-3 qualitativ hochwertige und geplante Beiträge pro Woche, als jeden Tag in der Mittagspause schnell einen Post bei Facebook hinzuklatschen. Die Beiträge sollten einheitliche sein und mit dem übereinstimmen, was das Unternehmen vermitteln möchte und wofür es steht. Storytelling ist hier das Stichwort. Dabei kann man auch spielerisch mit den Beitragsformen variieren. Heute mal ein Video über den Büroalltag drehen oder einen Live Chat starten? Oder wie wäre es, den Newsletter das nächste Mal über WhatsApp zu verbreiten?

Vom Trend anstecken lassen?

Die Online Kommunikation unterliegt einem ständigen Wandel. Weiterentwicklungen, Neuerscheinungen und neue Social Media Trends gibt es beinahe wöchentlich. Doch sollte man bei jedem Trend mitmachen? Wer mit auf den Zug aufspringen möchte sollte schnell sein. Der Beitrag zum #icebucketchallenge ist ein halbes Jahr später nicht mehr so interessant, wie als er gerade aufkam und „getrendet“ hat. Aber nicht bei jedem Trend muss mitgemacht werden. Die Zielgruppe muss immer im Blick behalten werden. Was ist für meine Follower relevant und interessant?

Und das ist auch der Leitsatz, der bei jedem Social Media Beitrag berücksichtigt werden sollte. Ist das Video oder der Artikel interessant für meine Kunden? Genauso, ob es sich mit meinem Unternehmen deckt. Schließlich will man, dass die Unternehmensidentität und die vermittelten Werte auf allen Kanälen übereinstimmen und für den Kunden deutlich werden. Mit qualitativen und geplanten Beiträgen auf den passenden Plattformen kann man nichts falsch machen und schon mit wenig Aufwand sein Unternehmen online präsentieren.

 

Hiking, Urban Gardening und Forest Bathing – alter Wein, neue Flasche oder schlichtweg hipp??

Auf den ersten Blick drei Begriffe, die auf jeden Fall einen gemeinsamen Nenner haben – Natur. Auch wenn man sich sicherlich fragt, was man sich genau „Waldbaden“ vorstellen soll. Und genau dort sieht man auch schon den zweiten gemeinsamen Nenner und für Vielermann das Problem – englische Begriffe. Warum ist Hiking das neue Wandern, Urban Gardening der neue Schrebergarten und der aktuelle Trend Forest bathing der upgegradete Waldspaziergang? Zurück zu alten Werten und vor allem der hautnahe Kontakt mit der Natur ist doch eine super Sache, also warum neuen und auch irgendwo fragwürdige Namen für etwas, was Generationen vor uns schon vorhanden war? Muss heute alles hipp und trendy sein, damit es sich erst gut verkauft? Und vielmehr, wo wird das enden?

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Ein einfacher Bummel durch die City verdeutlicht das Ganze. Es ist quasi unmöglich, die zahlreichen Sale Angebote der Modeboutiquen zu übersehen. Als Online-Mitglied kann man sich mit seinem Smartphone noch den neusten Rabatt-Code schnell downloaden, oder gleich alles bequem von zu Hause per Express-Versand bestellen.

Liegt es an der Internationalisierung oder ist die eigene Sprache einfach zu langweilig geworden? Gehen uns schlichtweg die Ideen für neue Dinge aus, weswegen wir Altes einfach neu verpacken und mit einem coolen Namen schmücken müssen?

Eins ist klar, spätestens wenn wir von den Eltern oder Großeltern gefragt werden, was mit „Sale“ gemeint sei, kann es schnell zu Wortfindungsstörungen kommen. Als Japanologiestudentin mit zwei Fremdsprachen während der Hochschulausbildung etwas, was mir recht häufiger passierte. Wörter, die es in der eigenen Sprache so nicht gibt oder in der Fremdsprache einfach eine andere Nuance haben. Da frage ich mich ganz bewusst, müssen wir es uns denn noch komplizierter machen als es sowieso schon ist?

Das Gegenbeispiel dazu dann während einer einfachen Bahnfahrt von Bonn nach Köln. Signalstörung, Verspätung und der daraus resultierende Gleiswechsel. Dank der Technik von heute wird schnell alles per Lautsprecherdurchsagen dem Kunden mitgeteilt, sodass man sich noch gemütlich auf das passende Gleis begeben kann. Zumindest die Personen, die der deutschen Sprache mächtig sind. Alle andere bleiben etwas verwirrt am ursprünglichen Gleis stehen. Wieso werden mir mit englischen Begriffen in der Innenstadt beworfen und dort wo es weitaus sinnvoller wäre, verzichten wir darauf? Gehen wir den zusätzlichen Schritt nur, wenn sich ein Produkt dadurch besser verkaufen lässt?